Nachruf
Professor Dr. Juan Bartual Pastor
24.01.1937 - 19.09.2025
Ein europäischer Brückenbauer der Otorhinolaryngologie
Mit Professor Dr. Juan Bartual Pastor verliert die europäische Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde eine herausragende Persönlichkeit, deren Wirken maßgeblich zur Entwicklung der Neurootologie und der Larynxchirurgie in Spanien und darüber hinaus beigetragen hat. Seine wissenschaftliche Laufbahn war geprägt von internationaler Offenheit, physiologisch fundierter Forschung und einem ausgeprägten Engagement für die akademische Nachwuchsförderung.
Prof. Bartual entstammte einer Familie, die seit Generationen eng mit der medizinischen Wissenschaft verbunden war. Sein Großvater, Juan Bartual Moret, arbeitete bereits 1893 im Umfeld von Adam Politzer und publizierte ein Kapitel zur Histopathologie der Polypen des Mittelohrs. Sein Vater, Rafael Bartual Vicens, setzte diese Tradition fort und forschte in den 1930er Jahren in Wien zur Ontogenese von Fehlbildungen der Nasenscheidewand. Diese biografischen Linien prägten Juan Bartuals wissenschaftliche Haltung entscheidend: Analytische Präzision, internationale Vernetzung und ein tiefes Verständnis für die Bedeutung experimenteller Grundlagenforschung.
Die eigene wissenschaftliche Entwicklung von Prof. Bartual wurde früh durch intensive Forschungstätigkeit in Deutschland geprägt. In den Jahren 1961–1962 erhielt er ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft und promovierte im Fach Otoneurologie unter Prof. Trincker am Physiologischen Institut der Universität Erlangen.
Zwischen 1962 und 1965 folgte ein Stipendium der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, das ihm die Mitarbeit bei Prof. Wullstein und Prof. Kley in Würzburg ermöglichte. Diese Jahre legten das Fundament für seine späteren wissenschaftlichen Schwerpunkte: die Integration physiologischer Konzepte in die klinische Diagnostik sowie die präzise funktionelle Analyse otoneurologischer Störungen.
Im Jahr 1986 wurde Prof. Bartual zum Ordinarius für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde an die Universität Cádiz berufen. Über mehr als zwei Jahrzehnte entwickelte er dort die Neurootologie als zentralen Forschungsschwerpunkt weiter und setzte zugleich bedeutende Impulse in der funktionellen Larynxchirurgie.
Sein wissenschaftliches Profil zeichnete sich durch die systematische Anwendung neurophysiologischer Methoden, innovative Ansätze in der vestibulären Diagnostik sowie durch eine enge Verzahnung klinischer und experimenteller Forschung aus. Darüber hinaus prägte er die HNO-ärztliche Ausbildung in Südspanien nachhaltig. Zahlreiche heute führende Kolleginnen und Kollegen wurden von ihm ausgebildet oder wissenschaftlich betreut.
Prof. Bartual war Ehrenmitglied mehrerer internationaler Fachgesellschaften, darunter der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, der Spanischen HNO-Gesellschaft, der Politzer Society und der Bárány Society. Zudem war er Mitglied des Collegium ORLAS. Diese Ehrungen spiegeln nicht nur seine wissenschaftliche Präsenz wider, sondern auch seinen nachhaltigen Beitrag zur internationalen Vernetzung des Faches.
Besondere Bedeutung kommt seiner Rolle bei der Gründung der Deutsch-Spanischen HNO-Gesellschaft (SHAORL) zu. Beim Gründungskongress 1994 in Palma de Mallorca wirkte Prof. Bartual maßgeblich an der Konzeption und Etablierung dieser Institution mit, die bis heute den bilateralen wissenschaftlichen Austausch fördert.
Auf dem HNO-Kongress der Deutsch-Spanischen HNO-Gesellschaft in Wien im Jahr 2024 wurde der neu eingerichtete Bartual-Festvortrag
erstmals vergeben. Diese Auszeichnung würdigt sein jahrzehntelanges Engagement für die europäische HNO-Heilkunde, insbesondere für den Austausch zwischen deutschen und spanischen Kolleginnen und Kollegen, und unterstreicht die nachhaltige Wirkung seines akademischen Lebenswerkes.
Professor Juan Bartual Pastor wird als klinisch versierter Otologe, engagierter Hochschullehrer und international vernetzter Wissenschaftler in Erinnerung bleiben. Sein Beitrag zur neurootologischen Diagnostik und zur funktionellen Larynxchirurgie sowie sein Einsatz für den interkulturellen wissenschaftlichen Austausch machen ihn zu einer der prägenden Persönlichkeiten seines Fachs.
Wir verlieren mit ihm nicht nur einen hervorragenden Arzt, sondern auch einen wunderbaren Menschen, ein Vorbild und einen guten Freund.
Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau und der gesamten Familie Bartual.
Sein Vermächtnis wird weiterwirken – in der Forschung, in der Lehre und in den Institutionen, die er mitgestaltet hat.
Namen der Verfasser:
Prof. Dr. med. Manuel Bernal-Sprekelsen, Barcelona
em. Prof. Dr. Carlos Sprekelsen Gassó, Murcia
Priv. Doz. Dr. med. Jesús Bujía, Dingolfing
Korrespondenzadresse:
Priv. Doz. Dr. med. Jesús Bujía
Marienplatz 10
84130 Dingolfing
