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HNO 012026 digiHNO Summit

Schnittstellen
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4. digiHNO-Summit am 21.11.2025 in München

Kristen Rak, Würzburg
Shabnam Fahimi-Weber, Essen

Das 4. digiHNO- Summit widmete sich dem Thema Schnittstellen der Digitalisierung und dabei insbesondere welchen Stellenwert die Digitalisierung aktuell und zukünftig im medizinischen Alltag von Klinik und Praxis einnimmt. In mehreren Sessions wurden Erwartungen, Erfahrungen, konkrete Anwendungsbeispiele sowie bestehende Herausforderungen von mehr als 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutiert. Neben Fachvorträgen standen insbesondere der Austausch mit dem Auditorium, Diskussionsrunden und praxisnahe Impulse im Vordergrund. Ziel war es, einen realistischen Überblick über den Stand der Digitalisierung zu geben und gleichzeitig Perspektiven für eine sinnvolle, patientenorientierte Weiterentwicklung aufzuzeigen.

Session 1: Themen- und Fragensammlung aus dem Auditorium
Moderation: PD Dr. Laura Holtmann
Die erste Session diente als Einstieg in die Veranstaltung und hatte das Ziel, zentrale Themen, Fragen und Erwartungen aus dem Auditorium zu sammeln. Dabei wurden Fragen zur Digitalisierung sowohl in der ambulanten Versorgung als auch in der klinischen Versorgung thematisiert. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Fragen zu Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Systemen und Versorgungsbereichen.

Als positive Aspekte der Digitalisierung wurden von den Teilnehmenden insbesondere Verbesserungen in der Organisation, der medizinischen Dokumentation sowie in der Ressourcenplanung hervorgehoben. Digitale Systeme bieten die Möglichkeit, Arbeitsabläufe strukturierter zu gestalten und administrative Tätigkeiten zu reduzieren. Besonders die KI-gestützte Dokumentation wurde als zukunftsweisend angesehen, da sie das Potenzial hat, Ärztinnen und Ärzte im Alltag spürbar zu entlasten.


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Gleichzeitig wurden auch klare Probleme benannt. Als wesentliche Hürden gelten die monetären Rahmenbedingungen, da Investitionen in digitale Infrastruktur häufig nicht ausreichend gegenfinanziert sind. Zudem wurden langsame Prozesse kritisiert, etwa bei der Einführung neuer Systeme oder bei notwendigen Anpassungen bestehender IT-Strukturen.

Die Teilnehmenden füllten im Rahmen dieser Session selbstständig einen Fragebogen händisch aus. Dieses Vorgehen machte deutlich, dass digitale Lösungen vielerorts noch nicht flächendeckend etabliert sind und analoge Prozesse weiterhin den Alltag prägen.

Aus dem Auditorium wurden mehrere konkrete Bedürfnisse formuliert. Dazu zählen insbesondere der Wunsch nach mehr Fortbildungsangeboten für spezifische Programme und Anwendungen, um Sicherheit im Umgang mit digitalen Systemen zu gewinnen. Ein weiterer zentraler Punkt war die Forderung nach funktionierenden Schnittstellen zwischen Praxis und Klinik, um Medienbrüche zu vermeiden. Darüber hinaus wurde betont, dass nicht eine zusätzliche digitale Akte, sondern ein konsequent papierloses Arbeiten angestrebt werden sollte. Unsicherheiten bestanden zudem im Hinblick auf größere Systemumstellungen, etwa bei SAP-Umstiegen oder der Nutzung unterschiedlicher KIS-Systeme.

 

Session 2: Was darf ich heute von der Digitalisierung in der Klinik erwarten?
Moderation: PD Dr. Achim G. Beule


Einführung eines digitalen Krankenhauses

Als erster Referent dieser Session sprach Prof. Dr. Stefan Mattheis aus Essen zum Thema Einführung eines digitalen Krankenhauses. Er zeigte auf, dass die Zahl wissenschaftlicher Publikationen zur digitalen Medizin kontinuierlich zunimmt, während eine primäre und verlässliche Finanzierung häufig fehlt. Anhand seiner Erfahrungen aus dem Neubau einer HNO-Ambulanz und eines OP-Bereichs im Jahr 2020 verdeutlichte er, welche strukturellen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Digitalisierung notwendig sind.

Besonders hervorgehoben wurden die Gründung eines Instituts für Künstliche Intelligenz in der Medizin unter der Leitung von Jochen Werner sowie die Einrichtung einer neuen W2-Professur in der HNO. Diese Entwicklungen unterstreichen die zunehmende strategische Bedeutung der Digitalisierung im klinischen Umfeld. Gleichzeitig wurde betont, dass leistungsfähige Hardware eine Grundvoraussetzung darstellt und Investitionen in Millionenhöhe erforderlich sind.

Konkret vorgestellt wurden Konzepte einer digitalen Ambulanz mit über 100 standardisierten Checklisten sowie eines vollständig integrierten und intelligenten OP-Saals. Pro Patient entstehen dabei mehrere Milliarden Datenpunkte, was große Chancen für Diagnostik, Therapie und Forschung bietet, jedoch auch hohe Anforderungen an Datenmanagement, Interoperabilität und IT-Sicherheit mit sich bringt.

 

KI in der fachärztlichen Weiterbildung – Diskussionsrunde

Im Anschluss referierte Jörg Mast aus München über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der fachärztlichen Weiterbildung. Zu Beginn wurde ein Blick auf die Ausgangssituation geworfen, um den Fortschritt der Digitalisierung zu verdeutlichen. Beispiele, wie rosa und blaue Patientenkarten oder Sonographiesysteme ohne Schnittstellen, machten anschaulich, wie stark die Medizin lange Zeit von analogen und isolierten Systemen geprägt war.

In der anschließenden Diskussion wurde KI als potenzieller digitaler Begleiter sowohl in der Praxis als auch im Krankenhaus betrachtet. Durch die Analyse unterschiedlicher Szenarien kann KI eine Grundlage für Entscheidungsunterstützung bieten. Gleichzeitig wurde kritisch diskutiert, welche Rolle KI in der Ausbildung spielen darf und ob sie das ärztliche Denken ersetzen könnte. Einigkeit bestand darin, dass KI als unterstützendes Werkzeug zu verstehen ist, das ärztliche Expertise ergänzt, jedoch nicht ersetzt.

 

Session 3: Was darf ich heute von der Digitalisierung in der Praxis erwarten?
Moderation: Dr. Mai-Ly Tran-Tien

Smartpraxis – Digitalisierung als Haltung

Dr. Ahmad Sirfy, Allgemeinmediziner aus München, stellte das Konzept der sogenannten Smartpraxis vor. Seit 2018 setzt er konsequent digitale Lösungen in seiner Praxis um. Dabei versteht er Digitalisierung nicht primär als technische Aufgabe, sondern als grundsätzliche Haltung. Im Mittelpunkt stehen eine qualitativ hochwertige Zeit mit den Patientinnen und Patienten, der Einsatz von Technik, die dem Menschen tatsächlich nützt, sowie die Bereitschaft, Mitarbeitende und Patienten für neue Wege zu begeistern.

Ein zentraler Aspekt seines Vortrags war die Frage, wie wir in fünf Jahren arbeiten werden. Der digitale Wandel beginnt bereits heute. Entscheidend sind dabei neue Kontaktangebote, transparente Prozesse und eine kontinuierliche Weiterentwicklung bestehender Strukturen.

 

Digitale Prozesse und Geschäftsmodelle in der Praxis

Dr. Shabnam Fahimi-Weber beleuchtete die Bedeutung digitaler Prozesse aus betriebswirtschaftlicher und strategischer Perspektive. Digitale Geschäftsmodelle verändern die Wertschöpfung und die Umsatzmodelle grundlegend und stellen keine bloße digitale Abbildung analoger Prozesse dar. Digitale Modelle erzeugen Daten und unterscheiden sich von klassischen Versorgungsmodellen insbesondere in Bezug auf Reichweite, Skalierbarkeit, Umsatzquellen und Marktdynamik.

Vorgestellt wurden verschiedene digitale Ansätze, darunter Prozessautomatisierung, Telemedizin, digitale Gesundheitsberatung, Plattformkooperationen, Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) sowie KI-Assistenzsysteme. Das Jahr 2025 wurde als Wendepunkt beschrieben, gekennzeichnet durch die verpflichtende Einführung der elektronischen Patientenakte, eine etablierte Telemedizin, gereifte KI-Systeme und eine verbesserte Skalierbarkeit digitaler Lösungen.

Zu den zentralen Trends zählen Produkthybridisierung, eine stärkere Nutzerzentrierung, das Konzept der patientengeführten elektronischen Patientenakte (PEPA) sowie Shared Decision Making. Anhand eines digitalen Workflows wurde verdeutlicht, dass Digitalisierung kein Hexenwerk ist, sondern mit klarer Struktur und Planung umsetzbar bleibt.


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Digitales Controlling und Prozessoptimierung

Ergänzend stellte Herr Friedrich Ansätze des digitalen Controllings und der Prozessoptimierung vor. Mithilfe geeigneter Tools können Prozesse systematisch überwacht und verbessert werden. Vorgestellt wurde unter anderem das System PowerBI, das eine datenbasierte Analyse ermöglicht. Der Vortrag umfasstew weiterhin Datenübertragungen über verschiedene Formate sowie den Einsatz von Webhooks.

 

Impulse und Rundtische

Impuls 1: Schnittstellen
Moderation: Dr. Shabnam Fahimi-Weber und Prof. Dr. Stefan Mattheis

Im ersten Impuls stand das Thema Schnittstellen im Fokus. Mareike Tatic stellte Konzepte intelligenter Telefonie vor, insbesondere virtuelle Telefonassistenten sf1.1. Wichtig ist dabei, dass telefonische Schnittstellen unabhängig vom jeweiligen Praxisverwaltungssystem funktionieren.

Dr. ing. Christoph Wille erläuterte technische Standards wie GDT, HL7 und FHIR. Die Bedeutung der Datensicherheit wurde hervorgehoben und anhand des bildhaften Beispiels eines gezapften Bieres verständlich erklärt. Datensicherheit umfasst dabei die Aspekte Integrität, Vertraulichkeit und Verfügbarkeit. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die praktische Umsetzung komplex ist und zusätzliche Kosten verursachen kann.

 

Impuls 2: Sicherheit in IT-Systemen
Moderation: Dr. Marc Unkelbach und Stephan Freund

Christian Marquardsen beleuchtete das Thema IT-Sicherheit außerhalb der Medizin und machte deutlich, dass die grundlegenden Prinzipien branchenübergreifend gelten. Zentrale Maßnahmen sind die Kenntnis aller eingesetzten Systeme, regelmäßige Updates, kontrollierte Zugriffe, der Einsatz von Passwortmanagern, regelmäßige Backups, die Absicherung von Netzwerken, das Verbot externer USB-Sticks sowie Schulungen und eine gute Vorbereitung auf Sicherheitsvorfälle.

Abschließend stellte Holm Diening die Sicht der Gematik dar. Auf Grundlage der DSGVO sei eigenverantwortliches und kontinuierliches Handeln entscheidend für die IT-Sicherheit. Die Telematikinfrastruktur erhöhe zwar den Druck auf Einrichtungen, trage jedoch gleichzeitig zur Sicherheit bei. Kritisch bewertet wurden insbesondere die Nutzung von WhatsApp sowie ungesicherter E-Mail-Kommunikation im Kontakt mit Patientinnen und Patienten.

 

Fazit

Die Veranstaltung machte deutlich, dass Digitalisierung im Gesundheitswesen bereits heute ein zentrales Thema ist. Neben großen Chancen bestehen weiterhin finanzielle, organisatorische und technische Herausforderungen. Erfolgreiche Digitalisierung erfordert nicht nur moderne Technik, sondern vor allem qualifizierte Anwenderinnen und Anwender, funktionierende Schnittstellen.

 

Anschrift des Verfassers:
Prof. Dr. med. K. Rak
Vorsitz AGru digiHNO
Univ. HNO-Klinik
Josef-Schneider-Str. 11, D-97080 Würzburg


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